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Editorial Mai 2018

Liebes Publikum,

 wir sprachen vor einem Jahr schon davon: Anderthalb Jahre ist es nun her, dass in Hessen beschlossen wurde, die schulischen Sexualerziehung derart umzugestalten, dass nicht nur heterosexuelle Partnerschaften, sondern auch gleichgeschlechtliche Beziehungen und die Vielfalt sexueller Orientierungen und Geschlechteridentitäten selbstverständlicher Teil des Lehrplans sein sollen. Bis heute wird dies und vieles andere, was den Weg in eine offene und gleiche Gesellschaft ebnet, von Protesten begleitet, in denen seltsame Allianzen geschlossen werden, das reaktionäre Lager sich ein ums andere Mal zur Kenntlichkeit entstellt. Glücklicherweise stellen jene Menschen in Deutschland eine Minderheit dar. Eine große Mehrheit spricht sich für eine völlige rechtliche Gleichstellung von schwulen und lesbischen Paaren im Eherecht aus. Womit wir schon einen Schritt weiter, aber noch lange nicht am Ende der Fahnenstange angekommen sind – zumal gesellschaftliche Diskurse, vor allem Freiheitsdiskurse wandlungsfähig sind. Wie oft schon stand man erstaunt vor den Trümmern dessen, was man zumindest als Minimalkonsens fortschrittlicher Errungenschaften sicher geglaubt hatte. Die Anerkennung von Homo- und Transsexualität ist eine jener Errungenschaften. Die Freiheit des Wortes, der Religion und der Versammlung, aber auch die Freiheit von Angst und Armut, der Zugang zu Bildung sind weitere, um nur einige wenige zu nennen. Wie auch immer vollständig sie je verwirklicht waren, muss man heute konstatieren, dass es um sie nicht unbedingt zum Besseren bestellt ist. Der Weltgeist ist halt ein wetterwendiges Arschloch. Und auch unter denen, die sich nominell zur völligen rechtlichen Gleichstellung homosexueller Partnerschaften bekennen, sind nicht wenige, die dies zwar abstrakt unterschreiben, im eigenen familiären Umfeld aber lieber doch nichts damit zu tun haben wollen (und Rollenverständnisse wie im Heimatfilm leben), sodass die Angst vor dem „Outing“, dem Bekenntnis zur eigenen Homosexualität oder Transsexualität, der eigenen „Andersartigkeit“ (sic!) für viele junge Menschen noch immer einen Normbruch, eine Tabuverletzung darstellt, die mindestens angstbesetzt, für wenige bis heute noch Grund zur Selbsttötung ist. Von anderen Ländern ganz zu schweigen, in denen Homosexualität bis heute – oder wieder – mindestens soziale Ächtung und Kriminalisierung bedeutet, in manchen weiterhin mit dem Tode bedroht wird.

Deshalb begehen wir auch an diesem 17. Mai den Tag gegen Homophobie, den International Day Against Homo- and Transphobia (IDAHOT). Das Datum erinnert an den 17. Mai 1990, jenen Tag, an dem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschloss, Homosexualität aus ihrem Diagnoseschlüssel für Krankheiten zu streichen. Schlimm genug, dass dies erst ein gutes Vierteljahrhundert her ist, gibt es auch heute noch Menschen, auch in Deutschland, darunter selbst Mediziner, die Homosexuelle „heilen“ wollen.

Zuvor, am 05. Mai bereits, steigt die nächste LET'S GO QUEER! bei uns im Kesselhaus, die Party, bei der sich Schwule, Lesben, Transgender, Bi-, Trans- und Intersexuelle sowie Queers treffen und damit zugleich ihr 7. Jubiläum feiern. Kooperationspartner ist seit Jahr und Tag Warmes Wiesbaden e.V. - die Initiative organisiert regelmäßig Events für die Szene, so zum Beispiel auch den Christopher Street Day, der dieses Jahr in Wiesbaden am 02. Juni stattfindet. Und den wir an nämlichem Abend mit einer großen Party im Schlachthof zelebrieren! 

Das Cover unsers Programmheftes im passenden Gewand hat diesmal unsere frühere Kollegin Deike Armbröster gestaltet, die derzeit im bayrischen Exil weilt.

In diesem Sinne: Gegen Diskriminierung, Sexismus, Rassismus, Antisemitismus, Homo- und Transphobie!

Euer Schlachthof Team

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