Kann es wieder passieren? Kann die deutsche Demokratie noch einmal scheitern? Nach Hitler? Nach dem Holocaust? Ja. Denn jede Demokratie kann fallen und durch ein autoritäres System ersetzt werden. Dieser Prozess wird oft sogar durch demokratische Wahlen ausgelöst. Viele fragen sich heute: Wie könnte der Sturz der Demokratie ablaufen? Und was können wir tun, damit es doch nicht so weit kommt? Michael Kraske und Dirk Laabs sagen: mehr, als viele glauben. Die gute Nachricht: Die Demokratie zu stürzen ist heute deutlich schwerer als in der Weimarer Republik. Wir haben seit über 75 Jahren ein Grundgesetz mit Grundrechten, die teils Ewigkeitsgarantie genießen – von der unantastbaren Menschenwürde über die Meinungsfreiheit bis zur Glaubens- und Bekenntnisfreiheit. Der Bundespräsident darf keine Notstandsgesetze am Parlament vorbei erlassen, der Bundestag kann nicht einfach aufgelöst und der Bundeskanzler nicht ohne Nachfolger:in abgesetzt werden. Und: Wir sind eine wehrhafte Demokratie – verfassungsfeindliche Parteien dürfen verboten werden und die Bürger:innen dürfen sich gegen eine Machtübernahme durch Demokratiefeinde wehren. All das sind Sicherungen, die implementiert wurden von Realist:innen, die erlebt haben, wie die erste deutsche Demokratie in einer selbst gemachten Hölle verbrannt ist.
Könnten die Rechtsextremen ihre gefährlichen Ziele trotzdem erreichen? Wie Demokratien planvoll zersetzt und zerstört werden, lässt sich international beobachten: Medien und Universitäten werden unter Druck gesetzt, Institutionen eingeschüchtert, Minderheiten zu Feindbildern erklärt und demokratische Grenzen Schritt für Schritt verschoben. Der Abbau einer Demokratie beginnt nicht erst mit ihrer Abschaffung. Er beginnt dort, wo Institutionen zurückweichen, Menschenfeindlichkeit normalisiert wird – und diejenigen schweigen, die widersprechen könnten. Auch hierzulande setzt bereits vorauseilender Gehorsam gegenüber Demokratiefeinden in Medien, Politik und Verwaltung ein.
Kraske und Laabs wenden sich gegen eine Haltung, die sie für besonders gefährlich halten: den Rückzug ins Private aus gefühlter Ohnmacht. Demokratie, so ihre Botschaft, verteidigt sich nicht von selbst. Wo muss also Widerspruch, wo Widerstand beginnen? Mit den Journalisten Dirk Laabs und Michael Kraske diskutieren wir über Mut, Gegenwehr und unsere eigene Verantwortung: Was können wir der extremen Rechten entgegensetzen? Wie kann man den Kampf um die Demokratie gewinnen, welche Fehler müssen unbedingt vermieden werden? Mit Best-Practice-Beispielen für Abgeordnete aller demokratischen Parteien, Lokalpolitiker:innen, Ehrenamtliche, Verwaltungsmitarbeitende, Lehrer:innen, Schulleitungen und Familien – denn demokratischer Widerstand beginnt nicht erst im Ausnahmezustand. Er beginnt im Alltag: wenn widersprochen wird, Menschen sich zusammentun, Institutionen ihre Spielräume nutzen und demokratische Kräfte sich verbünden. Noch ist nichts verloren. Es gibt unzählige Menschen und Initiativen, die sich längst widersetzen. Was fehlt, ist oft Konsequenz, Vernetzung und die Bereitschaft, demokratische Möglichkeiten tatsächlich zu nutzen.
Michael Kraske ist Journalist und Buchautor. Er wurde mehrfach für seine publizistische Arbeit ausgezeichnet. Dirk Laabs, Autor und Filmemacher, recherchiert seit fast dreißig Jahren in extremistischen Milieus. Auch er wurde für seine Arbeit mehrfach ausgezeichnet. Ihre gemeinsame Neuerscheinung: Widersetzt euch! Wie wir gemeinsam den neuen Faschismus besiegen.n.
Kulturzentrum Schlachthof Wiesbaden e.V.
Seit 1994 kollektiv und unabhängig. Gegen Diskriminierung, Sexismus, Rassismus, Antisemitismus und Homophobie.