Ein Album von den Sleaford Mods zu hören, sei ungefähr so, als würde man einen langen, bierseligen Abend im Pub mit Begbie aus den „Trainspotting“-Filmen verbringen, schrieb Spiegel Online bereits vor bald zehn Jahren über unserer liebsten englischen Krawall-Sprechgesang-Punker, die im Laufe ihrer steilen Karriere, die 2007 in Nottingham begann, zwölf Alben rausgehauen haben, die man gewissermaßen als die zeitgemäßere, punkigere Entsprechung zu Mike Skinners Streets bezeichnen konnte. Immer die Straße vor Auge, kündeten sie wie keine Zweiten im UK vom Leben der Ausgestoßenen und Prekarisierten, von Tristesse, Absurdität und Gewalt. Und davon war und ist ja immer reichlich vorhanden, Gott oder Teufel, dem Mensch oder der Wirtschaftsweise sei’s geklagt. Nun jedenfalls – nach acht Jahren – kommen Sleaford Mods auch wieder einmal bei uns vorbei und bringen ihr dreizehntes Album mit, „The Demise Of Planet X“, ein Werk, das man tatsächlich als Zäsur begreifen kann, markiert es doch eine Abkehr von ihrem Trademark-Sound wütender Dauererregung. Sänger Jason Williamson hat mehrfach betont, er wolle nicht mehr ausschließlich wütend sein – das tue ihm nicht gut. Eine Einsicht, die das Album hörbar prägt. Zwar bleibt der grantige Realismus erhalten, doch er wird ergänzt durch Momente des Innehaltens. Stücke wie „Bad Santa“ oder „Don Draper“ sind vergleichsweise downtempo, weniger auf Konfrontation aus als auf Atmosphäre angelegt. Andrew Fearn nutzt den erweiterten Raum für subtilere musikalische Texturen, ohne den charakteristischen Minimalismus preiszugeben. Die Musik wirkt dadurch nicht zahmer, sondern reifer. Und bietet einer Anzahl interessanter Gast-Sängerinnen von Aldous Harding bis Gwendoline Christie eine Bühne. Sounds & Books schrieb zuletzt von dem „bislang zugänglichsten und zugleich musikalisch vielseitigsten Werk des Duos“ und fügt an: „‘The Demise Of Planet X‘ klingt nicht nach Kapitulation, sondern nach einer notwendigen Weiterentwicklung – und bestätigt die Sleaford Mods als eine der klügsten Stimmen der britischen Gegenwartsmusik.“ Dem würden wir uns ohne Zweifel anschließen. Willkommen zurück! Ein Pflichttermin für alle, die verstehen wollen, wie Wut in Musik verwandelt werden kann – und warum daraus manchmal die ehrlichsten, wichtigsten Songs entstehen.
Vvk-Start: Freitag 06.02.2026 um 10 Uhr
SLEAFORD MODS
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Kulturnews
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