Leer
Versuchsanordnung zur Emergenz von Abwesenheit in der HALLE
Mit der einmaligen Präsentation von „LEER“ unternimmt das Kulturzentrum Schlachthof den Versuch, sich konsequent von den tradierten Parametern theatraler Repräsentation zu emanzipieren und stattdessen eine Form der performativen Negation zu etablieren, die sich jeder unmittelbaren Verfügbarkeit entzieht.
In bewusster Abkehr von Narration, Figur und szenischer Verdichtung operiert „LEER“ im Spannungsfeld zwischen potenzieller Bedeutung und ihrer konsequenten Suspendierung. Was gemeinhin als „Inhalt“ verstanden wird, manifestiert sich hier maximal als Möglichkeit, die aber im Akt ihres Ausbleibens eine umso größere Wirksamkeit entfaltet.
Die Inszenierung selbst - gleichwohl modern - ist hier aber, wie sonst so oft, nicht provozierend, denn die Bühne fungiert dabei nicht länger als Ort der Darstellung, sondern als diskursiver Resonanzraum, dessen eigentliche Aktivierung erst durch die Wahrnehmungsleistung des eigenen Selbst erfolgt. „LEER“ ist insofern weniger als Aufführung denn als Einladung zu begreifen – eine Einladung, sich der eigenen Erwartungshaltung bewusst zu werden und diese dann ebenso bewusst scheitern zu lassen.
Wir verstehen diesen Abend als einen offenen Prozess, dessen Dauer sich nicht strikt festlegen lässt, sondern sich aus der situativen Verdichtung von Anwesenheit, Irritation, Selbstreflexion und möglicher Erkenntnis ergibt.